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Wie könnte es (noch) besser sein?

Forschung über Zukunftsträume in Covid 19-Zeiten

Ein nationales Forschungsinstitut in den Niederlanden wollte mehr Einblick darin bekommen, was sich die Öffentlichkeit für die Zukunft wünschte. Die Untersuchung war Teil einer Langzeitstudie über den "Zustand des Landes", in der vierteljährlich eine "Momentaufnahme" erstellt wird. Neben einer Umfrage und einer Online-Forschungscommunity wollte das Institut eine Reihe von Gruppeninterviews durchführen, die sich gezielt mit den Träumen und Hoffnungen der Menschen beschäftigen. Das Institut machte die Erfahrung, dass es Menschen oft leichter fällt darüber zu sprechen, was sie sich nicht erhoffen, und dass es ihnen schwerer fällt anzugeben, wovon sie mehr sehen wollen. Warum war es zu Coron-Zeiten besonders daran interessiert, ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, welche Vorstellungen und Träume die Menschen über die Zukunft haben.

 

Ansatz

Die Gruppeninterviews konnten nicht 'live' stattfinden, also organisierten wir vier Online-Sitzungen mit jeweils vier Personen. Es nahmen Männer und Frauen mit höherem und niedrigerem Bildungsniveau im Alter von 18 bis 66 Jahren teil.


Wir entwarfen einen Interviewleitfaden auf der Grundlage des Ansatzes “Appreciative Inquiry”. Zunächst baten wir die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, ein Beispiel dafür zu geben, wo das Land sich in den letzten Wochen und in den Bereichen, die sie selbst am meisten betrafen, “at its best” gezeigt hatte. Die Beispiele reichten vom Applaus für Mitarbeiter des Gesundheitswesens über spontane, freundschaftliche Gespräche mit Fremden in einem Supermarkt bis hin zur transparenten Kommunikation der Regierung auf Pressekonferenzen. Wir fuhren fort mit der Frage: Was genau macht dies für Sie zu einem guten Beispiel? Welche Elemente sprechen Sie besonders an?

 

Dann gingen wir einen Schritt weiter und fragten nach ihren Träumen: Alle Teilnehmer waren eingeladen, aus einer Reihe von 16 Bildern eines auszuwählen, das die von ihnen gewünschte Zukunft des Landes am besten abbildet. Oft wählten die Menschen ein Bild, das mit Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit oder mit Natur zu tun hatte. Sie träumten von einer Zukunft, in der Nachbarn miteinander reden, in der die Menschen aufeinander achten und füreinander da sind, in der es mehr Ruhe und Frieden gibt, in der es sich grüner ist und in der sich gesünder leben lässt... Manchmal wurden sie sehr konkret und beschrieben Erdbeerpflanzen auf jedem Balkon, lokal angebautes Gemüse, Besuche auf dem Campingplatz und abgeschaltete Mobiltelefone. Als Interviewer konnten wir die vor uns liegende Zukunft buchstäblich greifen.

 

Danach stellten wir den Menschen vier nationale Zukunftsszenarien vor, die vom Forschungsinstitut ausgearbeitet und bereits in einer früheren Umfrage verwendet worden waren. Es stellte sich heraus, dass es den Menschen leicht fiel zu wählen, welches Szenario ihnen am meisten zusagte und warum.

 

Sie alle brachten die Hoffnung zum Ausdruck, dass die positiven Dinge, die im Land zum Vorschein kamen, in Zukunft tatsächlich erhalten bleiben oder noch verstärkt werden.

 

Wirkung

Am Ende der Gespräche hatten wir reichhaltige Informationen für die Forschenden gesammelt, die sie in ihren abschliessend erstellten Bericht einfliessen lassen konnten. Darüber hinaus hatten wir vier wertvolle Begegnungen. Die Teilnehmer hörten gerne die Geschichten und Perspektiven der anderen: ein Student, ein Lehrer, ein Beamter im Ruhestand, eine Krankenschwester, ein Unternehmer, eine Stewardess.... jeder hatte seine eigenen Erfahrungen und Perspektiven. Und ihnen zuzuhören erwies sich als ansteckend. Manchmal buchstäblich - wenn eine Teilnehmerin, die ihre eigene Kleidung ausbesserte, anstatt neue zu kaufen, andere dazu inspirierte, das Gleiche zu tun. Manchmal im emotionalen Sinne: Die Menschen reflektierten gerne darüber, was vom Gehörten sie betrifft und was ihnen wichtig ist. Es regte sie an und verband sie miteinnder. In diesem Sinne hatte jedes Gespräch einen Wert an sich. Auch für uns als Forschende.